Von der Beförderung zur Führungskrise in 90 Tagen
- Dr. Daniela Haze Stöckli

- 12. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Wir kennen das Muster. Eine exzellente Fach-/Führungspersönlichkeit, intern gewachsen und über Jahre bewiesen, wird befördert. Sechs Monate später steht dieselbe Person unter Beobachtung. Was läuft schief?
Es handelt sich um ein Phänomen, das Organisationen systematisch unterschätzen: Der Übergang in eine neue Führungsrolle ist nicht die Fortsetzung des bisherigen Weges, sondern ein Bruch. Wer diesen Bruch nicht bewusst vollzieht, scheitert nicht an fehlendem Talent, sondern an falschen Annahmen.
Das Erfolgsparadox interner Kandidaten
Interne Kandidaten gelten als risikoärmer. Sie kennen die Kultur, die Prozesse, die Menschen. Genau das wird zur Falle.
Wer aufsteigt, führt plötzlich ehemalige Peers. Vertraute Netzwerke werden zur Belastung. Und man interpretiert neue Situationen durch die Linse der alten Rolle. Michael D. Watkins nennt das die «History Trap»: Die Vergangenheit dominiert die Gegenwart obwohl sich der Kontext fundamental verändert hat.
CEO-Transition: höchster Einsatz, grösste Blindstellen
Nirgendwo wirkt dieser Mechanismus stärker als beim CEO-Wechsel.
Drei Fehler wiederholen sich:
Die Agenda gehört dem Vorgänger und nicht dem neuen CEO. Wer zu lange in der Vorgänger-Strategie agiert, signalisiert Kontinuität statt Führung.
Das Executive Team wird als gegeben akzeptiert. Die Frage «Wer gehört wirklich in dieses Team?» muss früh gestellt werden, denn spätere Korrekturen sind exponentiell teurer.
Das Aufmerksamkeitsfenster bleibt ungenutzt. Mitarbeitende, Verwaltungsrat, Märkte beobachten den neuen CEO in den ersten Wochen mit einer Intensität, die sich nicht wiederholt. Wer hier nicht aktiv Führung zeigt, verliert Deutungshoheit.
Was wirklich entscheidet
Neue Leader scheitern nicht an fehlendem Talent — sondern daran, dass sie zu früh handeln und zu wenig verstehen. Zuhören, Diagnose, kontextsensibles Vorgehen kommen vor Entschlossenheit.
Wer intern aufsteigt und das Unternehmen als «bekannt» behandelt, überspringt genau diese Diagnose. Mit messbaren Konsequenzen wie Fehlentscheidungen in den ersten Wochen, die noch Monate später nachwirken. Vertrauen, das nicht aufgebaut wurde, weil man dachte, es sei bereits vorhanden.
Die eigentliche Frage für Verwaltungsräte und CEO
Wie stellen wir sicher, dass neue Leader — intern wie extern — wirklich ankommen?
Nicht durch Hoffnung. Nicht durch ein zweitägiges Onboarding. Sondern durch strukturierte Transition-Begleitung: Klarheit über die Situation, Erwartungsmanagement nach oben und unten, gezieltes Sparring in den Momenten, in denen Weichen gestellt werden.
Die ersten 90 Tage sind keine Schonfrist. Sie sind das Fundament.
Wer das dem Zufall überlässt, zahlt den Preis meistens später, wenn es teurer ist.
Verwaltungsräte tragen die Verantwortung für gelingende CEO-Transitionen — und unterschätzen dabei oft den strukturellen Handlungsbedarf. Welche Mechanismen hat Ihr Board konkret etabliert, um neue CEOs in den ersten 90 Tagen wirklich zu begleiten — jenseits von Erwartungsgesprächen und gut gemeinten Ratschlägen?



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