Weshalb fallen zu viele Frauen von der Karriereleiter? - Wirksame Strategien für den Aufstieg
- Dr. Daniela Haze Stöckli

- 14. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 20. Feb.
Ladies Drive Nr. 62 und Knight Gianella: Empfehlungen für mehr Frauen in Schlüsselfunktionen
Frauen sind heutzutage besser ausgebildet denn je. Trotz bewusster Frauenförderung bleiben die oberen Führungsetagen in den meisten Schweizer Unternehmen und Organisationen jedoch weiterhin männlich dominierte Gremien.
Aktuell beklagen sich viele Unternehmen, dass der Schweizer Arbeitsmarkt nicht über ausreichend qualifizierte, vielfältige weibliche Talente verfügt. Mit einem Anteil von 44 Prozent Frauen in nichtleitenden Positionen ist die Ausgangslage gut, und die Unternehmen verfügen bereits über die vielfältigen Talente, die sie benötigen, so der Gender Intelligence Report 2023. Das Problem liegt allerdings darin, dass Frauen im oberen Management mit einem Anteil von 17 Prozent deutlich unterrepräsentiert sind.
Dabei ist das weibliche Potenzial bei den Talenten nicht das wahre Problem, sondern die Durchlässigkeit in der Talent-Pipeline, welche Frauen auf ihrem Karrierepfad ausbremst. Langzeitstudien zeigen, dass das Machtgefälle zwischen weiblichen und männlichen Vertretern mit jeder nächsten Kaderstufe zunimmt.
Ein wichtiger «Karriere-Booster» für die Beförderung von Frauen in die nächsthöhere Hierarchiestufe wäre hierbei die Übernahme von Personalverantwortung und -budget. Unglücklicherweise suchen sich Frauen allerdings zu häufig Positionen in Experten- oder Administrationsfunktion aus, welche die Wahrscheinlichkeit verringern, auf der Karriereleiter aufzusteigen. Ihr Risiko steigt somit stark an, auf der unteren bzw. mittleren Kaderstufe steckenzubleiben.
Was sind die meistgenannten Stolperfallen?
Positionierung: Linienerfahrung, Personalverantwortung und P&L-Erfahrung; gezielte, massgeschneiderte Investition in die Karriere
Mindset: Erwartungshaltungen; Erfahrungen; Unternehmenskultur; Vorbilder; Prioritäten und mangelnde Zeit für Businessthemen aufgrund von Kinderbetreuung, Angehörigenpflege oder Privatleben
Visibilität: Sichtbarkeit zu Themen, Stakeholder-Management nach «oben», Teilnahme an relevanten Businessnetzwerken
Voraussetzungen: Klärung innerhalb der Partnerschaft zu gewünschten Lebensmodellen, beruflichen Plänen, Karrierewünsche und Aufteilung der Kinderbetreuung
Welche wirksamen Strategien helfen beim Aufstieg auf der Karriereleiter?
Zu den Grundvoraussetzungen für eine Karriere zählen:
Bauen Sie Ihre eigene Positionierung auf: Besitz eines relevanten Fachthemas: Je mehr fachliche und aktuelle Expertise Sie zu einem wirtschaftsrelevanten Thema besitzen und je ausgewiesener Ihre Führungskompetenzen sind, umso besser können Sie sich in diesem Umfeld positionieren.
Gewinnen Sie durch Ihr aktives Mindset: Informieren Sie sich über die Talent-Pipeline in Ihrer Organisation. Klären Sie ab, welche Voraussetzungen Sie erfüllen müssen, um in die Talent-Pipeline aufgenommen resp. nominiert zu werden. Senden Sie klare Signale, dass Sie ein langfristiges Interesse an Ihrer Karriere-Entwicklung haben. Informieren Sie sich über mögliche offene, strategisch relevante Positionen und wie die Spielregeln sind, um dorthin zu kommen.
Erhöhen Sie Ihre Visibilität: Finden Sie Ihren «Unique Selling Point» (USP), welcher Sie von der Konkurrenz differenziert. Ein strategisches Kompetenzportfolio unterstützt Sie in der thematischen Visibilität und ist gleichzeitiger Leistungsausweis. Ein wirkungsvolles Selbst-Marketing ist zentral.
Schaffen Sie die Voraussetzungen in der Partnerschaft: Klären Sie im Vorfeld einer festen Partnerschaft ab, ob Ihr Partner/Ihre Partnerin Sie in Ihrer Karriere aktiv unterstützt: Nur starke Partnerschaften mit fairer Aufgabenaufteilung und einer nachhaltigen Unterstützung ermöglichen erfolgreiche Karrieren. Dazu gehören auch flankierende Massnahmen und die Verteilung der Rollen auf mehrere Schultern.
Arbeiten Sie an Ihrem Auftritt und Ihrer Kommunikation in drei Schritten: Stilsicherer Auftritt: Legen Sie Wert auf Ihre Persönlichkeit mit Format und achten Sie stets auf Ihr gepflegtes Erscheinungsbild. Langzeitstudien belegen, dass diejenigen, die über Beförderungen entscheiden, sich eine entsprechend gekleidete Mitarbeiterin besser als Führungspersönlichkeit vorstellen können als die Mitarbeiterin, die sich nicht an diese ungeschriebenen Gesetze hält.
Zu den erweiterten Voraussetzungen für eine Karriere zählen:
Signalisieren Sie die Bereitschaft, eine Extra-Meile zu gehen: Je grösser die Bereitschaft ist, sichtbare und strategisch relevante Tätigkeiten auszuüben und die Extra-Meile zu gehen, umso hilfreicher ist dies für den Aufstieg auf Ihrer Karriereleiter.
Lernen Sie Topmanagement-Kompetenzen kennen: Antizipieren Sie die unausgesprochenen und selbstverständlichen Spielregeln auf Topmanagement wie im Geschäftsleitungsgremium und spielen Sie im richtigen Netzwerk. Dazu gehören auch die Investoren.
Haben Sie Mut zur Entscheidung: Wenn sich Ihnen eine Chance für eine Beförderung anbietet, dann seien Sie mutig und entscheiden Sie sich für die neue Herausforderung. Ansonsten war die Vorarbeit umsonst und Sie fallen für längere Zeit von der Karriereleiter. Diese Spielregeln sind übrigens auch für Männer relevant, welche den Weg ins Topmanagement schaffen wollen.
FAZIT:
Das Executive Career Sparring und Positioning schärft den Blick für die eigene Karriere, eröffnet neue Perspektiven und ist ein wertvoller Beitrag für die erfolgreiche Umsetzung der gemeinsam erarbeiteten Zielsetzungen. Insbesondere Inhouse-Workshops mit weiblichen Top-Talenten, in welchen mögliche unternehmensspezifische Karrierehindernisse ermittelt und umsetzbare Lösungen erarbeitet werden, verbessern die Durchlässigkeit in der Talent-Pipeline für mehr Frauen im oberen/Top-Kader nachhaltig



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